Beim Fehmarn-Festival 1970 traten sie direkt nach Jimi Hendrix auf, dem letzten Auftritt seines Lebens. Sie spielten mit Jazzkoriphäen wie Charlie Mariano und Mal Waldron. Miles Davis knauserte nicht mit Lob. Sie besuchten Fela Kuti in Nigeria sowie Ravi Shankar und das Karnataka College of Percussion in Indien und heuerten als Zirkusband in Pakistan an.
Mehr als 400 Musiker durchliefen in den letzten vier Jahrzehnten die Band, was Embryo zu einer äußerst wirksamen alternative Weltmusikakademie macht. Ihr Ruf reicht inzwischen um den halben Globus. Alternative Rockmusiker wie NNCK, die Lieblingsband der Sonic Youth aus New York verehren sie als “Heroen des Untergrund” und suchen ihre Zusammenarbeit.
1969 gegründet, verband Embryo als eine der ersten Bands in Europa Rock mit Jazz. Später häuteten sie sich zu Pionieren der Weltmusik und unternahmen lange Reisen in den Orient und nach Afrika, um dort mit Musikern vor Ort zu spielen. Aus all diesen Erfahrungen speist sich bis heute ihre frei fließende, bunt schillernde Musik, die sie immer wieder mit überraschenden Klängen und Tönen neu auftanken.
Seit 40 Jahren ist die Band aus München kreativ in Bewegung. Wo andere längst aufgegeben oder es sich im Sessel gutsituierter Bürgerlichkeit bequem gemacht haben, macht Embryo weiter: kompromisslos, unbeirrbar, noch immer Underground, noch immer Gegenkultur.
Embryo wurde vor einem Jahr auf dem größten Weltmusikfestival (Rudolstadt) hierzulande für das musikalische Lebenswerk der Deutsche Weltmusikpreis zugesprochen.
Als prominenteste Stimme der Jury schreibt der renomierte Musikjournalist und Autor Bernd Noglik dazu:
Der Weg ist das Ziel – nur selten ist eine lebensphilosophische Maxime mit so viel Phantasie und mit einer solchen Langzeitenergie in Klänge umgesetzt worden wie im Spiel der Gruppe Embryo. In Bewegung zu sein bedeutet für die Band, die Musik im Prozess des Improvisierens ständig neu zu erfinden, zugleich aber auch im buchstäblichen Sinne auf Reisen zu gehen und im Austausch mit anderen Kulturen musikalisch zu wachsen. Die 1969 entstandene Keimzelle wurde von Anfang an von einer kollektiven Kraft genährt. Embryo gleicht einer Großfamilie ohne Gruppenzwang, die sich ständig erneuert. Aus dem Jazzrock der Anfangsjahre erwuchs eine weltmusikalische Orientierung, die den Modewellen fern steht und dem Kommerz entsagt. Embryos Ende der siebziger Jahre auf dem Landweg unternommene Reise nach Indien zählt bereits zu den musikalischen Mythen der Gegenwart. Doch die Karawane um Christian Burchard zieht weiter – keiner anderen Moral verpflichtet als der eines gleichberechtigten Gebens und Nehmens. Embryo ist keine Musikrichtung, sondern eine Lebensform.
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